Fix ohne Fix: Züricher Geschnetzeltes

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Das Beste an der “fix ohne Fix”-Kategorie sind die ganzen leckeren Sachen, die ich auf einmal ausprobiere. Auf viele wäre ich gar nicht selbst gekommen, danke deshalb nochmal an alle, die ihren Input dazu gegeben haben!

Züricher Geschnetzeltes (oder auch Zürcher Geschnetzeltes) ist so ein Gericht. Im Original wird es mit Kalbfleisch zubereitet, alle Abwandlungen dürfen offiziell eigentlich nur “Geschnetzeltes Züricher Art” heißen. Aber genug Klugscheißerei, auf geht’s!

Zuerst hab ich mir wieder angeschaut, was an geschmacksgebenden Sachen im Fixütchen ist. Gar nicht  mal so viel! 😉 Gefunden habe ich neben Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern vor allem Zwiebeln, Weißwein und Champignons. Das ließ mich aufatmen, schließlich kenne ich das klassische züricher Geschnetzelte auch als sehr einfaches Gericht – und ich hatte schon ein bisschen Angst vor dem, was Maggi & Co draus gemacht haben könnten. Folgendes ist dann draus geworden:

Zutaten für 3 Portionen:

450 g Geschnetzeltes (Original: Kalb, aber es schmeckt auch mit Hähnchen oder Schwein)
150 ml Weißwein
250 ml Sahne *
1 Zwiebel
300 g Champignons
Salz, Pfeffer
Petersilie (frisch oder TK)
Schalenabrieb 1/2 Zitrone
2 EL Butter

* Ich nehme stattdessen 200 ml kalorienarme Kochcreme (z.B. von Cremefine 7% Fett) und nur 50 ml “richtige Sahne.

Zubereitung:

1. Die Zwiebel fein hacken, die Champignons in Scheiben schneiden. Wenn frische Petersilie verwendet wird, diese ebenfalls hacken. Wir benötigen etwa 2 EL davon.

2. 1 EL Butter in einer Pfanne zerlassen, darin das Geschnetzelte von allen Seiten kurz anbraten. Es sollte grade durch sein. Dann herausnehmen und warm stellen (ich mache das bei 80 Grad im Ofen).

3. Im Bratfett die Champignonscheiben anbraten, nach einigen Minuten die Zwiebeln und den 2. EL Butter hinzugeben.

4. Den Weißwein angießen und bei geschlossenem Deckel und mittlerer Hitze wenige Minuten garen lassen.

5. In dieser Zeit die Sahne halbsteif schlagen (wenn jemand wie ich die kalorienarme Variante kochen möchte, einfach die 200 ml Kochcreme belassen wie sie ist und nur die 50 ml Sahne halbsteif schlagen)

6. Das Fleisch zurück in die Pfanne geben, Sahne und Petersilie unterziehen und bei schon ausgeschalteter Herdplatte noch einige Minuten ziehen lassen. Kräftig mit Salz und Pfeffer und dem Zitronenabrieb abschmecken.

Dazu passt klassisch natürlich ein Rösti, aber bei mir gab’s Kartoffel-Möhren Stampf. Eher untypisch dazu, aber die Möhren mussten weg :-) Schmeckte aber prima dazu! Wichtig ist, dass man sich traut, Salz & Pfeffer auch wirklich einzusetzen und nicht nur eine Prise hinzuzugeben.

Und nun der Preis- und Zeitvergleich:
Das Tütchen kostet knapp 80 Cent. Zubereitet werden hier aber nur 250 g Fleisch, 150 g Champignons und 300 ml Soße. DieVerhältnisse sind nicht ganz gleich, aber mein Rezept enthält in etwa die 1,5-fache Menge. Da beide Male Fleisch, Champignons und Bratfett benötigt werden, entscheidet der Rest der Zutaten. Hier fallen für mein Rezept an: Sahne, Petersilie, Zwiebel, Salz, Pfeffer, Wein. Für die Sahne fallen etwa 50 Cent an, Salz und Pfeffer fallen nicht ins Gewicht. Mit einer Zwiebel (ca. 20 Cent) und 2 EL TK-Petersilie (ca 40 Cent) liegen wir preislich mit dem Tütchen gleichauf – allerdings noch ohne den Wein. Je teurer der Wein, desto teurer also das Gericht. Bei einem günstigen Kochwein  (ich hatte einen Chardonnay für ca. 6 Euro, es würde aber auch ein deutlich  günstigerer gehen) wird der Wein jedenfalls unter einem Euro liegen, damit ist das frische Gericht grade mal einen Euro teurer als die Tüte. Damit kann man leben, oder? Und wer etwas mehr investiert hat auch gleich einen passenden Wein zum Essen.

Zeitlich ist man mit etwa 30 Minuten für alles (schnippeln, alles nacheinander in die Pfanne, ziehen lassen) dabei. Das Tütengericht braucht 5-10 Minuten weniger. Insgesamt werde ich das auch jeden Fall wieder machen. Danke an Ben für den Vorschlag!


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22 Responses to Fix ohne Fix: Züricher Geschnetzeltes

  1. Rebekka 31. August 2014 at 11:19 #

    Warum lässt Du das eine Chemieprodukt weg und nimmst dafür das nächste (Cremefin)? Lieber echte Sahne und dafür etwas weniger…

    • Danja 31. August 2014 at 15:46 #

      Liebe Rebekka,
      grundsätzlich teile ich Deine Auffassung. Aber nehmen wir Produkte wie Cremefinde (oder die von mir meist genutzte Rewe Kühencreme) doch mal genauer unter die Lupe…was ist da also drin?
      –> Die wichtigsten Zutaten in der Küchencreme sind Sahne, Milch und Stärke. Soweit unproblematisch. Interessanter wird es bei den E-Nummern. Zu Recht schauen viele da erstmal kritisch, ich auch. Aber dröseln wir die mal weiter auf: E460= Zellulose…nichts besonders chemisches, kommt in nahezu allen Pflanzenzellen vor und ist für den menschlichen Körper unverdaulich- kein NUtzen (außer den sahnigen Geschmack, den es in ein Produkt bringt) aber auch kein Schaden. Als nächstes hätten wie E466, das ist eine Abwandlung der Cellulose, die man als CMC abgekürzt kennt. Ist übrigens der Hauptbestandteil einer der wichtigsten Produkte bei professioneller Kuchendekoration…ebenfalls nicht schädlich, aber ein tolles Bindemittel. So toll übrigens, dass es der Hauptbestandteil von Kukident Haftcreme ist, hihi. Dann haben wir noch E407, Carrageen. Ein Soff aus Rotalgen, der ebenfalls für die Verdickung sorgt. Und zum Schluss wäre noch der Emulgator Pektik- das kennen wir aus Äpfeln und setzen es bestimmten Marmeladen zu…beziehungsweise wir suchen uns für die Marmeladenherstellung Früchte aus, die wie Äpfel besonders viel Pektin enthalten.
      Alles in allem wäre Sahne mit Milch vielleicht die noch gesündere Variante, aber MIR persönlich machen genau DIESE Stoffe ehrlich gesagt keine Angst.
      Anders ist es mit Geschmacksverstärkern und Aromen- mit denen habe ich wirklich ein Problem, weil sie unseren Geschmackssinn nachhaltig verändern und meiner Meinung nach für viele Probleme in der heutigen ERnährung verantwortlich sind. Natrliche Stoffe aus Algen und Holz ängstigen mich im Vergleich dazu wirklich wenig.

      Beste Grüße,
      Danja

  2. Ela 11. November 2014 at 12:04 #

    Huhu,

    erstmal super sache mit dem fix ohne fix :)…und jetzt meine frage, brauche ich auf jeden fall die zitrone oder geht auch dieses zitronensaftkonzentrat (oder wie das heisst, ich meine diese gelbe fläschchen in form einer zitrone)?

    lg, ela

    • Danja 11. November 2014 at 12:13 #

      Huhu Ela,

      also ich persönlich nehme immer frischen Zitronensaft und habe mit dem Konzentrat aus der “Plastikzitrone” keine Erfahrung. ich würde schätzen, dass es geht, aber ich kann Dir leider nichts zu der Dosierung sagen. Aber ich denke mal, dass man es sehr vorsichtig dosieren muss- ggf. einfach tropfenweise untermischen und abschmecken :-)

      Grüssli,
      Danja

  3. Ela 12. November 2014 at 15:28 #

    super danke, dann teste ich es die tage mal :)

  4. Natasha 19. November 2014 at 13:53 #

    Von mir auch ein ganz dickes Lob, finde es richtig super dass du dir soviel Mühe gibst !!! Habe das Geschnetzelte heute gemacht und es war super, selbst mein Freund war begeistert der eigentlich nuuuuuuur die maggitüten kennt und liebt. Er isst es freiwillig heute Abend nochmal ( habe zu viel gekocht )und das will wirklich was heißen !!! Werde auf jeden Fall noch mehr ausprobieren !

    Liebe Grüße und ein dickes Dankeschön

    Natasha

    • Danja 20. November 2014 at 08:17 #

      Hey Natasha,

      das ist ja super- ich freue mich total über deine Rückmeldung!
      Viel Spaß noch beim “Durchprobieren” und liebe grüße aus Köln,
      Danja

  5. Michaela 14. Dezember 2014 at 15:29 #

    Hallo Danja,

    vielen Dank für deine tollen Rezepte. Endlich bin ich mal wieder satt UND zufrieden

  6. shanshuo 4. Oktober 2015 at 19:16 #

    Hallo Danja,

    habe das Rezept gestern ausprobiert und es hat allen sehr gut geschmeckt. Habe ebenfalls 2/3 durch Cremefine ersetzt. Da ich normales Schnitzelfleisch verwendet habe, war das Fleisch tlw. noch leicht zäh. Hast Du es selbst auch schon mit Schnitzelfleisch (Schwein) ausprobiert?
    Nächstes Mal verwende ich bei der kurzen Garzeit dann Putenfleisch oder lass es einfach bei Schnitzelfleisch länger schmoren. :)
    Ich habe heute den Rest in eine Auflaufform gegeben, noch etwas Sahne, Salz und Pfeffer nachgegeben und frische Gnocchi’s (Kühltheke) mit reingepackt, und dann alles im Ofen erwärmt: Superlecker! Danke.

    • Danja 5. Oktober 2015 at 17:54 #

      Hey Shanshuo,

      Gerade bei Schnitzelfleisch finde ich, dass man es nur kurz braten sollte und nicht lange schmoren- prinzipiell ist das Fleisch ja zuerst sehr zart, wird dann zäher (wenn zu lange gebraten) und nach sehr langem Schmoren irgendwann wieder weicher. Ich würde eher versuchen, den ersten zarten Zeitpunkt genau zu treffen, sprich, dass das Fleisch nur kurz (dafür aber kräftig) angebraten wird und dann im Ofen/der Soße später nur noch minimal nachzieht, so dass es gerade gar ist. Eigentlich ist das für geschnetzeltes der “zarteste” Zustand, solange man es nicht stundenlang schmoren möchte. So hatte ich mit Schwein (bei diesem oder anderen “geschnetzelten” Rezepten noch keinerlei Probleme. ich glaube, die meisten neigen eher zum “zu-lange-braten”.

      Berichte doch mal, ob es geholfen hat!

      Liebe Grüße,
      Danja

      • ShanShuo 8. Oktober 2015 at 13:25 #

        Hallo Danja,

        ok, vielen dank für die Erklärungen. Beim Fleisch den perfekten Zeitpunkt zu treffen, ist ja gerade die große Kunst! Speziell, wenn Fleisch selten auf dem Speiseplan steht. Beim scharf Anbraten neigen viele (ich früher) auch zum zu kurz Anbraten, und wenden das Fleisch, bevor sich die Röststoffe richtig angesetzt haben. Ich weiß jetzt, was ich hier speziell falsch gemacht habe und fürchte, dass ich zudem einen Teil falsch zur Faser geschnitten habe. Und das waren dann die zäheren Kammeraden… Hoffe, der nächste Versuch wird perfekt. Aber hier sprechen mich so viele Gerichte zum Ausprobieren an, dass dies noch etwas dauern kann. Habe bereits die Zutaten für Deine “Oreo Trüffel” besorgt. 😉

        Liebe Grüße
        ShanShuo

  7. Katharina 6. Oktober 2015 at 15:33 #

    Ich habe mal eine ganz bescheuerte Frage: Durch was würdest Du den Weißwein ersetzen? Da Söhnchen mitisst, möchte ich keinen Alkohol verwenden.

    Viele Grüße,
    Katharina

    • Danja 6. Oktober 2015 at 15:42 #

      Hi Katharina,

      das ist überhaupt nicht bescheuert! :-)
      Der Weißweingeschmack gehört natürlich irgendwie schon in die Soße, ein wenig anders wird die Soße “ohne” also schmecken. ich würde den Wein durch Brühe ersetzen (Fleisch oder Gemüse) und einen klitzekleinen Schuss milden, hellen Essig oder etwas (etwas! ;-)) Zitronensaft hinzugeben, als Ersatz für die fehlende Säure.
      Liebe Grüße,
      Danja

  8. Becky 26. Februar 2016 at 13:46 #

    Liebe Danja,

    mein Freund und ich haben dieses Rezept letztes Wochenende ausprobiert und sind total begeistert!

    Durch den Schalenabrieb bekommt das Gericht einen ganz wunderbaren Geschmack ohne zu “zitronig” zu schmecken :) Die klassische Tüte kann hier einfach nicht mithalten!

    LG, Becky

  9. shanshuo 6. März 2016 at 18:03 #

    Hallo Danja,

    ich habe wieder dein tolles Rezept nachgekocht, und es waren alle begeistert! Der Zitronenabrieb macht es noch feiner (… dabei dachte ich gleich, dass ich unbedingt wieder deine cremige Zitronentorte backen muss) und das ganze Gericht ist nicht so mächtig.
    Diesmal war das Schnitzelfleisch auch durchweg zart 😉 Vielen Dank!

    Liebe Grüße
    ShanShuo

  10. QfY 28. August 2016 at 13:41 #

    Hallo Danja,

    vielen Dank für Deine Mühe die Tüten nachzukochen, das Geschnetzelte habe ich nun schon mehrmals nach gekocht, es schmeckte nie wie die Tüte es schmeckte mir anders gut. Allerdings muss ich sagen das ich mich nicht zu 100% an die Vorlage halte! das Sahne steif schlagen spare ich mir aus komplett – habe ausschließlich die Kochsahne genommen bisher. Heute habe ich allerdings nur einen Becher Schmand verwendet.

    Schon lange möchte ich das Miracoli Rezept nach kochen, mangels Pürrierstab habe ich das noch nicht angegangen… Ob’s im Blender auch fein genug werden würde??

    Beste Grüße
    QfY

    • Danja 13. September 2016 at 16:19 #

      Huhu QfY,

      ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch im Blender wunderbar funktioniert.

      Liebe Grüße,
      Danja

  11. Nancy 20. September 2016 at 19:24 #

    Habe ich heute gemacht….. ohne Zitrone und mit etwas selbstgemachte Brühe. Der Rest nach Deiner Anleitung …. und ganz ehrlich: Wer da noch Tüte = Chemie-Grschmacksverstärket+ZUCKER kauft …. dem ist nicht mehr zu helfen. Da die Leser dieses Blogs aber ja genau das vermeiden wollen, sei Euch gesagt, dass mir das Geschnetzelte ausgesprochen gut geschmeckt hat. Dazu gab es Vollkorn Basmati Reis von Reishunger ( googelt mal – sooooo lecker) und einen Pflücksalat mit Kürbisöldressing ( passte zur Jahreszeit). Tolles Rezept! Lieben Dank!

  12. Maria 13. November 2016 at 09:49 #

    Funktioniert auch was anderes als Weißwein? Wein im Essen ist nicht so mein Fall.

  13. Sonja 25. November 2016 at 00:09 #

    Hallo

    Dieses Rezept habe / musste ich 2 mal kochen.

    Da ich nicht mit Alkohol kochen möchte habe ich beim ersten Versuch den Wein durch 100% Trauben-Direktsaft ersetzt (schön doof) das war soooooooooo süß . Mein Mann hat es tapfer gegessen. Ich nicht .

    Beim zweiten mal habe ich Wasser anstatt Wein genommen und nur einen Schuss Traubensaft.
    Das war in Ordnung und hat auch ganz gut geschmeckt.

    Hast du einen Tipp wodurch ich sonst den Wein ersetzen könnte?

    LG

    • Danja 28. November 2016 at 10:06 #

      Huhu Sonja,
      ohje, Traubensaft ist sicher ziemlich süß gewesen. Ich würde empfehlen, stattdessen eine Fleischbrühe oder Gemüsebrühe und wenig Weißweinessig oder Zitronensaft (vielleicht 1-2 TL) für die Säure zu verwenden. Die Säure ist ja neben dem typischen Weingeschmack das, was der Soße ohne Wein fehlt. Wenn Du den Traubengeschmack auch dabei haben möchtest, reichen vom Traubensaft sicher -2 Esslöffel.

      Ich hoffe, der nächste Versuch wird so, wie Du es dir vorstellst :-)

      Liebe Grüße,
      Danja

  14. Katrin 31. Juli 2017 at 22:05 #

    Deine Rezepte sind wirklich toll. Einfach beschrieben und mit einer kurzen Zutatenliste. Habe das Geschnetzelte heute ausprobiert und es ist tausendmal besser geworden als die Fix Variante. Super lecker :)

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