Norddeutscher Grünkohl mit allem drum und dran

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Grünkohl gehört zu den Gerichten, die ich seit meiner Kindheit von zu Hause kenne… und wirklich liebe. Zwar haben wir Grünkohl mit „so richtig allem drum und dran“ nur wenige Male jeden Winter gegessen, denn es ist schon ein wenig Zeitaufwand und auch ziemlich mächtig…aber dann fand ich es jedes Mal umso leckerer :-).

Als ich mal zu Weihnachten in Berlin gegessen habe, gab es dort auch Grünkohl, allerdings als Beilage (ähnlich wie Rotkohl oder Karotten) zum Festbraten. Falls ihr Grünkohl auch so kennt: Das ist etwas gaaaanz anderes! Norddeutscher Grünkohl ist im Prinzip keine Beilage, sondern ein mit Fleisch geschmortes Gemüse, dass dann durchaus die Hauptrolle auf dem Teller spielt :-). Das zugehörige Fleisch und die Zubereitung selbst sind recht fettreich- einer der Gründe, weshalb es in meiner Heimat sicher ein klassisches Wintergericht ist.

Hier im Rheinland sind die richtigen Würste für norddeutschen Grünkohl meistens nur schwer zu bekommen, oder nur überteuert in einigen Feinkostläden. Deshalb hab ich sie letztes Mal einfach aus der Heimat importiert :-). Im Kühlschrank halten sie sich praktischer Weise wochenlang.

Neben Kasseler, der im Grünkohl mit erhitzt wird, sind vor allem Pinkel und Kochwurst typisch für dieses Gericht. Bei Pinkel handelt es sich um eine grobe, geräucherter Grützwurst. Ich glaube, weiter südlich als Niedersachsen kennt man diese Spezialität kaum ;-). Sie ist sehr fettig und man isst die Hülle nicht mit. Stattdessen schneidet man sie auf und kann den grobkörnigen Inhalt entweder komplett in den Kohl rühren oder dazu löffeln. Der Name ist etwas schräg, keine Frage…woher er genau kommt weiß eigentlich keiner, aber laut Wikipedia gibt es viele Theorien..schaut mal hier!

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Links: Pinkel, rechts: Kochwurst

Kochwurst kann man sich am ehesten wie eine deftige geräucherte Koch-Mettwurst vorstellen. Wenn man keine Bremer Kochwurst bekommt, sind geräucherte, dicke Mettwürste vom Metzger sicher der beste Ersatz :-).

Ansonsten gehört zum Kochen eigentlich auf jeden Fall auch gestreifter Speck (geräuchert oder nicht) mit in den Grünkohl. Einige nehmen ihn hinterher heraus und lassen ihn während des Kochens nur Aroma abgeben- einige essen ihn hinterher mit viel Genuss. Mir ist das dann doch zu viel des Guten ;-).

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Zutaten für 6 zum Sattessen:

2 kg Grünkohl (gehackt, gefroren)*
3 Zwiebeln
8 Kochwüste (2 davon zum Mitkochen)
8 Pinkelwürste (2 davon zum Mitkochen)
6 Scheiben Kasseler
300 g gestreiften Speck, möglichst als dicke Scheiben
50 g Gänseschmalz
6-8 El Haferflocken
Salz, Pfeffer, Senf
600 ml Gemüsebrühe

Außerdem: einen groooßen Topf

Zubereitung:

1. Die Zwiebeln fein würfeln. Den Gänseschmalz erhitzen und die Zwiebeln im Fett glasig braten.

2. Den gefrorenen Grünkohl hinzugeben und mit der Brühe übergießen. Jetzt den Deckel auf den Topg setzen und den Grünkohl bei max. mittlerer Hitze auftauen lassen, gelegentlich umrühren. Das dauert etwa 30 Minuten.

Ich nehme dazu diesen TK-Grünkohl:

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3. Den Speck mit unte den Kohl rühren. 2 Kochwürste rundherum anpieksen und ebenfalls in den Kohl geben, außerdem 2 Pinkelwürste, von denen ihr die Pelle abzieht und sie dann etwas kleinschneidet. Gut umrühren und bei kleiner Hitze etwa 2 Stunden schmoren lassen, dabei wieder gelegentlich umrühren. Sollte etwas drohen anzubrennen, die Hitze noch weiter reduzieren und ggf. etwas Brühe nachgeben.

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4. Nach 2 Stunden Speck und Mettwürste aus dem Kohl nehmen, in einer Schüssel beiseite stellen. Nun mit Salz, Pfeffer und Senf kräftig abschmecken. Der Kohl könnte noch etwas wässrig sein, weil die Haferflocken noch nicht eingerührt sind. Das kommt aber erst zum Schluss dran ;-).

5. Nach dem Abschmecken sollte der Kohl einige Stunden an einem kühlen Ort (ich stelle ihn immer auf den Balkon) ruhen. Das geht auch prima über Nacht.

6. Am nächsten Tag den Kasseler, die weiteren Würste und auch das Kochfleisch vom Vortag in den Kohl geben und etwa 30 Minuten sanft erhitzen, bis der Kasseler gar ist. Nun die Haferflocken einrühren und noch etwas köcheln lassen- die Flocken binden überflüssige Flüssigkeit.

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7. Jetzt noch einmal abschmecken- fertig 🙂

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Bei uns gibt es dazu Salzkartoffeln…*mjam*!

 

 

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7 Responses to Norddeutscher Grünkohl mit allem drum und dran

  1. inge 17. Januar 2014 at 11:29 #

    Hi,

    super yummy – nur: wo bekommen wir normalen Sterblichen Pinkel her? Oder hast Du eventuell ein Rezept? Denn ohne die ist der Grünkohl nur halb so gut (meine unmaßgebliche Meinung) 🙂

    • Danja 17. Januar 2014 at 12:31 #

      Huhu Inge,

      ich weiß ja nicht , wo Du genau wohnst. In größeren Städen gibt es oft eine Filiale von „Schlemmermeyer“- da gibt es Feinkost aller Art und auch Pinkelwürste. Ansonsten kann man sie auch online bestellen, schau mal: http://www.gruenkohl-mit-pinkel.de/pinkel-pinkelwurst.html

      Liebe Grüße,
      Danja

  2. Maria 28. Januar 2014 at 09:29 #

    ICH LIEBE KOHL UND PINKEL! Bin zwar in Freiburg aufgewachsen, aber meine Mutter kommt aus Bremen, daher kenne ich dieses Gericht auch von Kindesbeinen an. Es ist einfach zu reinlegen! 😀 Da ich letztes Jahr so Lust darauf hatte, aber keine genaue Ahnung hatte, wie das funktioniert, habe ich mir einen Metzger im Netz gesucht und dort bestellt. War nicht so lecker wie früher, aber auch okay! Ich werde deins nachkochen! LOVE IT! 🙂

  3. gerdmueller1 16. Februar 2014 at 11:24 #

    Hallo liebe Grünkohlliebhaber,

    kaufe schon seit Jahren bei

    http://www.lammersschinken.de/

    auf den bremer Wochenmärkten alle meine Zutaten für den Grünkohl.

    Die Qualität ist meiner Meinung nach nicht zu toppen.

    Und die Fam. Lammers verschickt auch ihre Waren.

    Weitere Highlights sind für mich die luftgetrockneten ´Stracke`-Würste mit Kräuter oder ohne.

    Hier könnt ihr wirklich nichts falsch machen.

    LG

  4. Sabine 22. September 2015 at 22:21 #

    gibts mittlerweile auch online, die beste (Oldenburger Pinkel) gibts bei Metzgerei Monse – die vertreiben online, eine alte Traditionsnmetzgerei aus Oldenburg, klappt prima sogar bis nach Bayern, lach….

    üüüüübrigens tun dem Grünkohl beim kochen gut: zwei bis drei EL Zucker (wegen der Bitterkeit) und ganz viel scharfer Löwensenf – einfach unterrühren, das ist weltklasse!

    • Danja 23. September 2015 at 10:22 #

      Hey Sabine,

      danke für den online-Tipp. Was das rezept angeht- da hat wahrscheinlich jede norddeutsche hausfrau „ihr“ eigenes…ich persönlich stehe nicht auf große Mengen Senf, weil mir Senf allgemein nicht so schmeckt, aber grundsätzich ist Senf ja auch in meinem Rezept enthalten. Ich finde der heute gezüchtete Grünkohl ist längst nicht mehr so bitter, schon gar nicht nach dem Frosten, deshalb verzichte ich auf Zucker. Aber wer etwas bitteren Kohl erwischt, hat mit dem zucker sicher eine gute Möglichkeit, das auszugleichen.

      Liebe Grüße,
      Danja

  5. Franz Ladda 7. Februar 2019 at 01:57 #

    Ich habe dieses Jahr, neben 32kg „normalem“ Grünkohl, noch zwei kg Veganen Grünkohl gemacht, und auch der schmeckte außerordentlich lecker! Ich denke ich muss für das Jahr 2020 noch ein neues Rezept für den Normalen liefern. Der wird noch gesünder. Der Zucker muss ja nicht mehr sein, den kann ich auf die Beilage (Kartoffeln) geben, dafür aber dieses Wintergemüse mit Zitrusfrüchten auffrischen! Viele liebe Grüße Franz

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