Mein ostfriesischer Snirtje-Braten

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Hachja…ab und an blitzt sie mal auf, meine norddeutsche Heimat! Ich komme ja ursprünglich aus Bremen und habe in Oldenburg studiert…also mitten dort, wo sich Ostfriesen (mit mit dem leckeren Tee) und Ammerländer (die mit dem nicht so leckeren Schnaps) die Hand geben.

Snirtjebraten (auch bekannt unter Snirtjebraa oder Sniertjebran) ist ein altes, ostfriesisches Gericht und damit verknüpft eigentlich auch eine Tradition: Als früher auf den Höfen noch selbst Schweine geschlachtet wurde, war es das „Schlachttag“-Essen. Damals wurden die Stücke für den Snirtje-Braten zuerst herausgeschnitten und schon mal geschmort, war man mit dem Schlachten fertig, war das Essen es auch :-).

Eigentlich ist es ein sehr einfaches Gericht, das natürlich – wie bei regionalen Spezialitäten üblich- in tausend Varianten daherkommt. Ich denke, die schlichteste ist wohl auch die ursprünglichste- ich verfeinere sie noch mit etwas Rotwein und am Schluss mit einem kleinen Schuss Sahne. Die Würzung ist aber immer sehr einfach – Salz, Pfeffer, etwas Piment, Lorbeer und viel Zeit.

Die faustgroßen Fleischstücke garen locker 2 Stunden oder auch länger in der Soße- je nach Größe und Beschaffenheit. Dafür sind sie danach auch butterzart und zerfallen fast auf der Gabel.

Im original nahm man Schulter und/oder Nackenfleisch, aber wer es heute etwas moderner/gesünder mag, kann auch Schweinefilet für den Braten nehmen, dazu erkläre ich am Ende nochmal etwas.

Zutaten für 4 gute Fleischesser oder 6, die auch noch was anderes auf dem Teller haben wollen:

1 kg Schweinenackenbraten
5-6 Zwiebeln
1,2 Liter Wasser
400 ml Rotwein
1 EL Tomatenmark
Butterschmalz zum Anbraten
Salz, Pfeffer, Piment (ganze Körner), Lorbeerblätter
1 EL Speisestärke oder Mehl
50 ml Sahne

Klassische Beilagen sind Salzkartoffeln, Rotkohl und Gewürzgurken…aber bei mir wurden es – etwas moderner- Zucchinipuffer.

Zubereitung:

1. Das Fleisch wird in etwa faustgroße Stücke geteilt. Dabei harte Schwarten oder feste Fettstücke außen entfernen. Wichtig ist, dass die Stücke in etwa gleich groß sind, sonst garen sie unterschiedlich.

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2. Die Zwiebeln schälen und je nach Größe entweder ganz lassen oder quer halbieren.

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3. 4 Pimentkörner mit einem Messerrücken zerdrücken.

4. 1 EL Butterschmalz in einem großen Topf erhitzen, die Fleischstücke darin rundherum anbraten, etwa 5 Minuten. Dann die Zwiebeln hinzugeben und weitere 5 Minuten mitbraten, dabei das Fleisch weiterhin gelegentlich wenden. Salzen und pfeffern.

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5. Das Tomatenmark hinzugeben und gut verrühren, das dauert etwas. dann etwa 1 Minute mit anbraten, unten am Boden sollen sich Röststoffe bilden.

6. Wasser und Rotwein hinzugeben, aufkochen. 2 Lorbeerblätter, den zerstoßenen sowie 3 Kugeln ganzen Piment hinzugeben. Bei kleiner Flamme mindestens 2 Stunden bei geschlossenem Deckel schmoren lassen, ab und an durchrühren.

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7. Wenn das Fleisch so weich ist, das man es zerdrücken kann (das kann je nach Stück auch mal 3 Stunden dauern, länger macht nix, zu kurz ist ein Problem), die Fleischstücke vorsichtig herausnehmen und warm stellen (das geht im Ofen oder auch einfach auf einem tiefen Teller mit Alufolie drüber).

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8. Die meisten Zwiebeln sollten zerkocht sein. Die ganzen Pimentkörner sowie die Lorbeerblätter herausfischen und die Soße pürieren. Mit Salz und Pfeffer nochmal kräftig abschmecken.

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9. Die Speisestärke oder das Mehl mit 3 EL Wasser verrühren, hin die Soße geben und gut durchrühren. nochmal aufkochen und – gerade wenn ihr Mehl verwendet habt- einige Minuten nochmal köcheln lassen.  Am Ende mit einem Schluck Sahne abrunden, nochmal abschmecken und mit dem Fleisch servieren.

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Wer anstelle des eher fettreichen Nackenfleischs ein Filet nehmen möchte, sollte das Filet vorher mindestens einen Tag einlegen, zB in eine Marinade aus Rotwein, Salz, Pfeffer, und Lorbeer. Die Garzeit beträgt dann nur rund 45-50 Minuten, die Stücke sollten auch wieder etwa faustgroß sein.

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13 Responses to Mein ostfriesischer Snirtje-Braten

  1. Claudia 23. August 2015 at 11:39 #

    Wird gerade ausprobiert und duftet nach 1 1/2 Stunde schon ganz wunderbar…

  2. Sonja 24. August 2015 at 16:45 #

    Oh mir läuft das Wasser im Mund zusammen! Hört sich super lecker an und wird ganz bestimmt nachgekocht!

    • Danja 25. August 2015 at 12:03 #

      Hey Sonja,

      lass es Dir schmecken…und berichte gerne mal hinterher 🙂

      Liebe Grüße,
      Danja

  3. Michi 7. September 2015 at 20:44 #

    Ich mache es ähnlich wie du und nehme aber Rindfleisch…. Rintjebraten 😉

    Und dir einen schönen Gruß aus dem schönen Oldenburg :-))))))))))

    Michi

  4. Jan 23. September 2015 at 11:40 #

    Gestern Abend gekocht!

    G R O S S A R T I G!!!

  5. Stephie 25. September 2015 at 08:07 #

    Danke für das tolle Rezept!! Der Braten war köstlich und ich hatte soviel Soße, dass ich sogar zwei Portionen davon einfrieren konnte 😀 <3

  6. Sandra 22. Oktober 2015 at 09:04 #

    Hallo Danja,

    würde dieses Rezept gerne mal testen. Butterschmalz braucht man sicher für den Geschmack. Aber kann ich die Sahne durch Creme legere ersetzen? Oder ist es dann nicht cremig genug. Und durch was könnte man den Rotwein ersetzen. Du hast doch immer so tolle Ideen. Würde das Gericht gerne etwas abspecken.

    Danke und liebe Grüße Sandra

    • Danja 22. Oktober 2015 at 16:42 #

      Hi Sandra,

      die Sahne kannst Du ohne Probleme durch eine leichte Version ersetzen, Ich persönlich nehme gerne die Küchencreme von Rewe (günstiger als Cremefine) oder die 5% Soja cuisine „light“ (weniger Kalorien als Cremefine). Den Butterschmalz brauchst Du nicht uuunbedingt, aber Braten und Gemüse anzubraten komplett ohne Fett finde ich immer ein wenig schade. Die entstehenden Röstaromen sind einfach super und 1 EL Fett auf 4-6 Portionen ist ja auch nicht viel.
      Den Rotwein kannst Du grundsätzlich durch Fleischbrühe ersetzen, ggf am Ende einen klitzekleinen Schuss Balsamico hinzugeben, weil der Rotwein ja auch immer ein wenig Säure mitbringt. Auch hier kann ich aber sagen, dass es bei 4-6 Personen weniger als 100 ml Rotwein pro Person sind- und eine gute Rinderbrühe hat ja durchaus auch Kalorien. Ob Du da nicht mehr Geschmack einbüßt als Kalorien gespart werden? Ich bin mir nicht sicher. In jedem Fall wäre es eine gute version, wenn jemand keinen Alkohol zu sich nehmen darf 🙂

      Liebe Grüße,
      Danja

      • Sandra 27. Oktober 2015 at 10:18 #

        Huhu Danja,

        ich danke Dir sehr für die Antwort. So mach ich es. Ja unser kleiner Mann soll mitessen 🙂 – dehalb kein Alkohol hihi…. sonst schläft er gut

        LG Sandra

  7. Heike 29. Dezember 2015 at 15:35 #

    Hallo Danja!

    Snirtjebraa gab’s bei uns an Weihnachten. Sehr lecker! Sogar meine Eltern (durch und durch Hausmannsverkoster) waren begeistert. Lieben Gruß aus Ostfriesland!

  8. Sören 9. Februar 2016 at 15:24 #

    Hey Danja,

    habe soeben den Snirtjebraten fertig. Habe wegen der Kinder den Rotwein durch Apfel- und Traubensaft sowie 100ml Balsamico ersetzt, die Kinder waren begeistert, besonders von der Soße. Dazu gab es Salzkartoffeln und selbstgemachten Rotkohl (der aus dem Glas ist längst nicht so lecker), ein Gedicht. Steht ab heute mit Sicherheit öfters auf dem Speiseplan.

    Liebe Grüße Sören

  9. Thomas 11. Januar 2017 at 10:27 #

    Moin!

    Wir haben hier gerade auch dein Rezept ausprobiert allerdings für 170 Personen. Ich bin sehr angetan, ich bin mal gespannt wie es bei den Kinden und unseren Besuchern mit Behinderung ankommt.

    Vielen Dank erstmal

  10. Thomas 11. Januar 2017 at 13:00 #

    So, nun ist die ausgabe vorbei und ess war bestimmt ncht das letzte Mal.

    Lieben Gruß Thomas

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